Soziales Miteinander

Was hält die Nachbarschaft gesund?

Sich ausreichend bewegen, ausgewogen essen und im Alltag für Entspannung sorgen, das sind wichtige Bausteine, um lange gesund zu bleiben – und die Bewerbungskriterien für den AOK-Förderpreis „Gesunde Nachbarschaften“. Wie sich gesundheitsfördernde Gemeinschaftsprojekte in der Nachbarschaft umsetzen lassen, verrät unsere Expert:innen-Jury

Eigentlich wissen wir ziemlich genau, was unserem Körper und unserer Psyche guttut. Zum Beispiel mehr Bewegung als Ausgleich zum vielen Sitzen, eine nährstoffreiche Ernährung für mehr Energie und Wohlbefinden, weniger Stress für ein entspannteres Leben. Aber was in der Theorie so klar scheint, erweist sich in der praktischen Umsetzung oft als schwierig, wenn die Anziehungskraft des Sofas oder die Verlockung des schnellen Fertiggerichts groß sind.
„Da hilft es sehr, sich mit Nachbar:innen zusammenzuschließen und die gesunden Vorhaben gemeinsam anzugehen“, sagt Jurorin Erdtrud Mühlens vom Netzwerk Nachbarschaft. „In der Gruppe kann man sich gegenseitig motivieren, gut zureden und dabei auch viel Spaß haben.“

Gemeinsam geht es sich viel leichter durchs Leben – das wissen auch die Aktiven vom interkulturellen Nachbarschaftsnetzwerk 55plus! in Moers / ©Netzwerk Nachbarschaft, Interkulturelles Nachbarschaftsnetzwerk 55plus!; Foto: Hatice Kardas

Drei Wege zu mehr Fitness

Sportwissenschaftler Ingo Froböse, seit 2021 Jurymitglied beim AOK-Förderpreis „Gesunde Nachbarschaften“, sieht drei Schwerpunkte, mit denen Nachbarschaften dafür sorgen können, fit zu bleiben oder zu werden. Da wären zum einen gemeinsame Ausdaueraktivitäten wie spazieren gehen, laufen oder radeln, um etwas für den Kreislauf zu tun. Darauf setzen zum Beispiel die Nachbar:innen vom „Interkulturellen Nachbarschaftsnetzwerk 55plus!“ aus Moers. Mit ihrem regelmäßigen Walking-Programm waren sie für den Förderpreis 2025 nominiert. „Der zweite Schwerpunkt ist der Muskelaufbau“, sagt Froböse. „Dafür sind wohnortnahe Angebote wünschenswert, die ein Muskeltraining in kleinen Gruppen anbieten“. Wie etwa die Aktiven von „Raderberg und -Thale.V“. Mit ihrem modernen Körpertraining, das den Fokus auf Kräftigung und Dehnung der Muskulatur legt, gewannen die Kölner:innen 2025 den Förderpreis. Als dritten Schwerpunkt sieht der Sportwissenschaftler Gleichgewicht und Koordination, um Stürzen im Alter vorzubeugen. Ein Vorbild in dieser Hinsicht ist der „Bürgerverein Langerfeld e.V.“ mit seinem Gymnastikprogramm für ältere Menschen (nominiert für den Förderpreis 2025).

Gute Gesellschaft, gesunder Genuss

Bei vielen Nachbarschaftsinitiativen stehen neben Bewegungsangeboten auch Koch- und Ernährungsvorhaben auf dem Programm. Gemeinschaft fördert auch hier die Gesundheit, wie NDR-Ernährungs-Doc und Förderpreis-Jurymitglied Silja Schäfer weiß: „Essen in Gemeinschaft bedeutet meist, dass alle Beteiligten mit mehr Ruhe und Achtsamkeit bei der Sache sind, sowohl beim Kochen als auch beim Essen. Kein Essen-to-go, kein Mobile-Eating, weniger Snacking.“ Besonders wertvoll sei der soziale Austausch: „Nirgendwo können Sorgen und Nöte besser diskutiert werden als in Ruhe am Tisch, wo schon gemeinsame Lösungen für Probleme gefunden und Ängste und Nöte aufgefangen werden,“ sagt Schäfer. Das weiß man bei „Wir sind Aktiv Hamburg“ zu schätzen. Mit dem Projekt „Küche für alle – gemeinsam kochen und genießen für eine starke Gemeinschaft“ sorgen die Engagierten regelmäßig für gesunde Mahlzeiten in Gesellschaft und wurden dafür mit dem Förderpreis 2025 ausgezeichnet. Neben dem gemeinsamen Kochen geht es in dem Hamburger Projekt auch darum, Tipps für gesundes Essen zu vermitteln, die sich zu Hause leicht umsetzen lassen – auch für den kleinen Geldbeutel. In diesem Anleiten sieht Schäfer eine weitere Stärke von Nachbarschaften: „Expert:innen in der Nachbarschaft können wunderbar aufklären und hilfreiche Tipps geben, praktische Ideen und Erfahrungen beim Kochen und Zubereiten von Speisen direkt ausgetauscht werden.“ Darauf setzt auch die Wuppertaler Initiative „Aufbruch am Arrenberg“ (nominiert für den Förderpreis 2023). Bei ihrem Projekt „Essbarer Arrenberg“ dreht sich alles um gutes, gesundes und nachhaltiges Essen in Gemeinschaft – zugänglich und bezahlbar für alle im Quartier.

Entspannendes Miteinander

Mit Bewegungs- oder Ernährungsangeboten können Nachbar:innen nicht nur die körperliche Gesundheit in ihrem Wohnumfeld stärken. Die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten wirkt sich auch positiv auf die seelische Gesundheit aus – und gegen Vereinsamung. „Das tägliche Miteinander ist unser sozialer Nährboden, für den wir alle verantwortlich sind. Wir Menschen sind die beste Medizin“, sagt Demenzexpertin und Förderpreis-Jurymitglied Sophie Rosentreter. Und wer für andere da ist, tut sich auch selbst etwas Gutes. „Das Schöne ist ja, dass Helfen keine Einbahnstraße ist. Helfende Menschen erfahren viel Dankbarkeit, das stärkt auch ihre eigene psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden.“

Der AOK-Förderpreis

Sie haben selbst ein nachbarschaftliches Bewegungs-, Ernährungs- oder Entspannungsangebot ins Leben gerufen oder sind gerade dabei, dies zu tun? Dann bewerben Sie sich jetzt mit Ihrem Projekt! Zum siebten Mal in Folge loben die AOK Rheinland/Hamburg und Netzwerk Nachbarschaft 2026 den Förderpreis „Gesunde Nachbarschaften“ aus.