Spaziergangspaten: Willst du mit mir geh’n?

Ältere Menschen bleiben häufig lieber zu Hause als alleine einen Spaziergang zu wagen. Mangelhafte Bewegung und der fehlende Kontakt zu vertrauten Menschen im Quartier verstärken jedoch ihr Alleinsein. Das ändert sich, sobald sie in netter Gesellschaft sind. Zum Beispiel mit Spaziergangspaten.

Im Bürgerhaus Erftal gibt es schon länger Spazierpatenschaften. Mit dem Erfolg, dass über die Zeit viele Kontakte und sogar neue Freundschaften aus den gemeinsamen Runden durchs Viertel entstanden sind. So berichtet Julia Kampmann vom örtlichen Lotsenpunkt, dass kürzlich eine ältere gehbehinderte Dame mit einer engagierten Nachbarin vernetzt werden konnte. Die gemeinsamen Spaziergänge zu zweit haben die Seniorinnen sichtlich aufblühen lassen und dazu ermutigt, häufiger auszugehen.

Gemeinsam neue Wege gehen

Gerade Menschen mit eingeschränktem Gehvermögen verlieren oft die Lust auf Bewegung und den Kontakt zu ihrem Stadtteil. In Essen laden daher Nachbarn ihre älteren Mitbewohner regelmäßig zum wöchentlichen Spaziergang ein. Angefangen hat das vor vielen Jahren schon mit dem Projekt „Mehr Bewegung im Alltag – Willst du mit mir gehen?“. Die Idee: Zwei Spaziergangspatinnen und -paten begleiten mehrere Anwohner zu gemeinsamen Touren durch den eigenen Stadtteil und unterstützen die Senioren dabei, miteinander in Kontakt zu kommen. Auch Menschen mit Rollator oder Rollstuhl sind herzlich willkommen. Seit seiner Gründung ist das mehrfach ausgezeichnete Projekt stark gewachsen und heute in 34 von 50 Essener Stadtteilen präsent, mit insgesamt über 140 Paten und mehr als 1.100 Teilnehmenden.

Gesund für Körper und Seele

„Die gezielte Förderung von Bewegung und sozialem Kontakt schafft bei allen Beteiligten mehr Selbstvertrauen und Mobilität, das Wohlbefinden besonders der älteren Anwohner steigt deutlich“, bestätigt Erdtrud Mühlens von Netzwerk Nachbarschaft. Der Essener Spazierpate Wolfgang Nötzold sieht darin auch eine gute Möglichkeit zur Vernetzung: „Mit anderen spazieren zu gehen und sich dabei austauschen zu können, ist unkompliziert und kommt sehr gut an.“ Durch das Angebot werden auch Nachbarn erreicht, die organisierte Bewegungsangebote sonst eher meiden. Sie spüren, wie gut es ihnen tut, in netter Gesellschaft zu sein und freuen sich auf dieses oft wöchentliche „Highlight“.

Spazierpatin oder Spazierpate werden

Um ältere Anwohner zu gemeinsamen Spaziergängen einzuladen, können Paten Aushänge anbringen, etwa in Wohnanlagen, Tagespflegeeinrichtungen, am Infobrett des Quartierbüros oder im Gemeindehaus. Ideal ist es, regelmäßige Termine zu vereinbaren und gemeinsam die beste Spaziergangsdauer auszuloten. Dabei sollte auch genug Zeit eingeplant werden, um zwischendurch auf einer Bank auszuruhen oder ein gemütliches Tässchen Tee zu trinken.