Willst du mit mir geh’n?

Viele ältere Menschen bleiben häufig lieber zu Hause als alleine einen Spaziergang zu wagen. Bewegungsmangel und der fehlende Kontakt zu vertrauten Menschen im Quartier verstärken jedoch ihr Alleinsein. Initiativen wie die "Spaziergangspaten" wollen das ändern.

Das Stadtteil-Kulturzentrum HausDrei bringt HamburgerInnen für gemeinsame Spaziergänge zusammen. Vor allem Ältere nehmen das Angebot, zu zweit eine Runde durchs Viertel zu drehen, dankbar an. „Die Sehnsucht der NachbarInnen nach Austausch und Bewegung ist groß“, bestätigt Christina Dorau vom HausDrei. Mit ihrem Projekt der „Herzensspaziergänge“ gehen sie neue Wege. Sie laden jeweils eine Nachbarin oder einen Nachbarn zum Spaziergang ein, ausgestattet mit „Wundertüten“. Neben kleinen Überraschungen befinden sie in den Tüten „Impulsfragen“, die zum Gespräch anregen. So lenkt zum Beispiel die Frage „Was tut mir wirklich gut?“ das Gespräch in eine positive Richtung und schafft neue Zuversicht. Besonders ältere und alleinlebende Menschen wissen diese Zuwendung zu schätzen.

Im Bürgerhaus Erfttal im Rheinland übernehmen NachbarInnen schon seit längerem Spazierpatenschaften. Über die Zeit sind dadurch viele Kontakte und sogar Freundschaften entstanden. Julia Kampmann vom örtlichen Lotsenpunkt berichtet, dass die Spaziergänge zu zweit die SeniorInnen sichtlich aufblühen lassen und dazu ermutigen, häufiger auszugehen.

Gemeinsam neue Wege gehen

Gerade Menschen mit eingeschränktem Gehvermögen verlieren oft die Lust auf Bewegung und den Kontakt zu ihrem Stadtteil. In Essen laden daher NachbarInnen ihre älteren Mitbewohnenden regelmäßig zum wöchentlichen Spaziergang ein. Gestartet haben die Aktiven das Projekt „Mehr Bewegung im Alltag – Willst du mit mir gehen?“ bereits vor vielen Jahren. Ihre Idee: Zwei Spaziergangspatinnen und -paten begleiten auf gemeinsamen Touren durch den Stadtteil und unterstützen Senioren dabei, miteinander in Kontakt zu kommen. Menschen mit Rollator oder Rollstuhl gewinnen so neue Sicherheit und fühlen sich gut aufgehoben. Seit der Gründung ist das mehrfach ausgezeichnete Projekt stark gewachsen und heute in 34 von 50 Essener Stadtteilen präsent, mit insgesamt über 140 Paten und mehr als 1.100 Teilnehmenden.

Gesund für Körper und Seele

„Die gezielte Förderung von Bewegung und sozialem Kontakt schafft bei allen Beteiligten mehr Selbstvertrauen und Mobilität, das Wohlbefinden besonders der älteren Anwohner steigt deutlich“, weiß Erdtrud Mühlens von Netzwerk Nachbarschaft. Das Angebot wird als wöchentliches Highlight empfunden und erreicht oft auch NachbarInnen, die organisierte Bewegungsangebote sonst eher meiden.

Spazierpatin oder Spazierpate werden

Um ältere Anwohner zu gemeinsamen Spaziergängen einzuladen, können PatInnen sie gezielt ansprechen oder Aushänge in Tagespflegeeinrichtungen, am Infobrett des Quartierbüros oder im Gemeindehaus anbringen. Ideal ist es, regelmäßige Termine zu vereinbaren und gemeinsam eine optimale Spaziergangsdauer auszuloten. Dabei sollte auch genug Zeit eingeplant werden, um zwischendurch auf einer Bank auszuruhen oder ein gemütliches Tässchen Tee zu trinken.