Medien von und für Nachbarn

Immer mehr Nachbarschaften gestalten ihre eigene Homepage, um aktuelle Informationen auszutauschen. Analog bleibt trotzdem.

Im Kölner Süden hat sich der Bürgerverein Raderberg und -Thal längst digitalen Raum erschlossen. Die 150 Mitglieder und viele Nachbarn im Viertel nutzen das Internet, um sich zu verabreden, Kontakte zu finden und neue Ideen einzubringen. Besonders beliebt sind Neuigkeiten aus der Nachbarschaft und Veranstaltungstermine auf der Vereinsseite. Ganz aktuell im Angebot: Treffen per Videokonferenz. Da informiert zum Beispiel eine Psychologin über den gesunden Umgang mit Alltagsstress und lässt Nachbarn miteinander ins Gespräch kommen.

Einen virtuellen Nachbarschafts-Treff bietet auch der Aachener Nachbarschaftsring „Öcher Frönnde“. Auf der eigenen Website des Bürgervereins erscheint neben Terminen und News regelmäßig eine Mitgliederzeitung mit spannenden Informationen und Adressen. Besonders gefragt sind derzeit Einkaufshilfen und Lieferservices. Dank Online-Medien können die beiden Nachbarinnen, die die Website betreuen, rasch auf die Interessen der Menschen im Quartier reagieren. Wer kein Internet benutzt, bekommt auf Wunsch ein ausgedrucktes Exemplar in den Briefkasten gesteckt. Somit fördert das Internet auch den persönlichen Austausch und hilft, Jung und Alt zusammen zu bringen.

Schwarz auf weiß

Auch in der Hamburger Lenzsiedlung, in der mehr als 3.000 Menschen zu Hause sind, gibt es eine ausführliche Internetseite für die Nachbarschaft. Gerne angeklickt und untereinander weitergegeben werden neben Gesundheitstipps auch die leckeren Kochrezepte von Nachbarn für Nachbarn. Trotzdem gibt es hier auch noch traditionelle Medien wie das Schwarze Brett – gespickt mit handgeschriebenen Zetteln und Reißzwecken. So können an einem zentralen Platz Hilfsgesuche und -angebote auch ganz ohne Technik aufgegeben werden. Die analoge Lösung funktioniert nach wie vor gut: „Maler gesucht“ – und schnell gefunden!

Wie geht’s?

Heute ist der Aufbau von eigenen Webseiten kein „Hexenwerk“ mehr und funktioniert auch ohne besondere Programmierkenntnisse. Was man braucht ist ein Domain-Name und ein Content-Management-System (CMS), mit dem man die Webseiten verwalten kann. Eine ansprechende Optik und Pflege regt zum Lesen und Mitmachen an. Ratsam ist es, den Aufbau der Homepage als Gemeinschaftswerk zu planen und sich zuvor mit Internet-Kundigen auszutauschen. In jeder Nachbarschaft gibt es „Profis“, die gerne helfen. Denn die Sicherstellung des Schutzes der Privatsphäre ist ein Muss. Das gilt für Fotorechte, Namensnennungen und die sogenannten Cookies, die Nutzer der Webseiten nachverfolgen können. Es lohnt sich, eine feste Nachbarschaftsredaktion zu gründen, an die Beiträge geschickt werden können und die den Internetauftritt regelmäßig aktualisiert.